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Eine Erde:„Radikaler Optimismus für die sozial-ökologische Transformation“

Bericht von unserer Tagung im Dezember 2025 an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Lutherstadt Wittenberg
Good News Forum

Auch 2025 hat das Netzwerk Eine Erde seine enge Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt fortgesetzt und gemeinsam mit dem dritten Kooperationspartner, der Akademie des VRK, eine Tagung in Lutherstadt Wittenberg durchgeführt. Vom 4. bis 6. Dezember haben wir gemeinsam mit etwa 25 Teilnehmenden über „Radikalen Optimismus für die sozialökologische Transformation“ gesprochen.

Neben Impulsen aus verschiedenen Disziplinen und Blickwinkeln stand vor allem die gemeinsame Reflexion darüber, was Optimismus und Hoffnung bedeuten und was Wurzeln davon sein können, im Mittelpunkt.

Die Zukunftsforscherin Anne-Luise Kitzerow-Mathey hat uns am Donnerstagabend deutlich gemacht, dass die Vorstellung von Zukunft zu den Eigenschaften von Menschen gehört. Wir können gar nicht anders als uns die Zukunft vorzustellen. Dabei hat sie anhand des Modells des Zukunftstrichters die verschiedenen Zukunftsräume aufgezeigt, zwischen denen wir differenzieren können: Wahrscheinliche oder erwartbare Zukünfte, mögliche Zukünfte, und wünschenswerte Zukünfte. Zur Unterscheidung zwischen Hoffnung und Optimismus sagte sie uns: Hoffnung ist die Wurzel, Optimismus ist die Pflanze.

Bei dem Good News Forum nach dem Vortrag von Anne-Luise Kitzerow-Mathey wurde sehr deutlich, dass alle in der Runde positive Erfahrungen und Beispiele einbringen konnten, die Hoffnung geben: Von Kindern, über Freundschaften, Fortschritte, positive Überraschungen, inspirierende Menschen oder beeindruckende Projekte. Die Beiträge machten eines sichtbar: Es gibt sie, die guten Nachrichten und Hoffnungsmomente! Es ist manchmal eher eine Frage der Wahrnehmung unserer Welt, wie auch die Fehleinschätzung der Zahlen bei einem kleinen Quiz zu den Nachhaltigkeitszielen zeigten. Die Entwicklungen sind oft besser als wir annehmen.

Freitagvormittag hat Constance Nennewitz aus psychologischer Perspektive einen Blick auf den Hoffnungsbegriff geworfen. Was passiert eigentlich emotional, wenn wir uns mit den Krisen beschäftigen? Die Klimakrise löst verschiedene Emotionen aus: Angst, Scham, Schock, Trauer, Verzweiflung, Mitgefühl, Ohnmacht. Wir haben einen großen Bedarf uns dazu auszutauschen, das war im Raum sehr spürbar.

Um dennoch Hoffnung zu haben, ist eine der Schlüsselkompetenzen die Ambiguitätskompetenz, d.h. Widersprüche und Unsicherheiten aushalten, akzeptieren, dass viele Gefühle gleichzeitig bestehen können. Wir haben gemeinsam reflektiert, welche Bewältigungsstrategien jede für sich entwickelt haben und daraus einen „seelischen Notfallkoffer“ gepackt, in den Lachen, Gespräche, aktiv werden, Natur oder Glaube gehören. Weitere „Wurzeln“ von Optimismus haben wir in einer Biographiearbeit und persönlichen Gesprächen ermittelt und erörtert.

Der Philosoph Jonathan Rößler hat ausgeführt, dass Hoffnung triebhaft im Menschen angelegt ist, aber auch die emanzipatorische Richtung von Hoffnung betont. Mit Blick auf die Klimakrise gehört dazu auch die Trauer und die Anerkennung von Verlust und Unterdrückung. Sie ist das verbindende Element, damit die Hoffnung nicht ins Abstrakte oder Fatale abgleitet, sondern kollektiven und konkreten Fortschritt ermöglicht.

In drei Workshops nach dem Vortrag haben wir versucht, Handlungsfelder zu umreißen, die eine kollektive Hoffnung unterstützen können: Die konstruktive Kommunikation von Lösungen und nicht der Probleme, um zu zeigen, was geht und um das Gemeinsame zu betonen; das Paradising-Konzept als Ansatz, die Paradiesvorstellungen zu formulieren und die bestehenden Paradiese zu suchen; oder der konstruktive Umgang mit dem Eingestehen, dass der Klima-Kollaps möglich ist. Ein Satz, der dabei fiel: Es geht um Liebe, nicht um Angst. Was wollen wir schützen oder freuen wir uns in der apokalyptischen Hoffnung auf das Neue?

Den Abschluss am Samstag bildete ein Panel mit Elias Zarrad (Die Linke, Organisator CSD Wittenberg), Bea Lindhorst (B90/Die Grünen), Iris Brunar (BUND), und Torsten Zugehör (Oberbürgermeister von Lutherstadt Wittenberg). Die vier sprachen darüber, was sie in ihrem Arbeitsalltag optimistisch stimmt, dass Transformation gelingen kann, aber auch welchen Herausforderungen sie begegnen.

Geschlossen haben wir – wie könnte es in Wittenberg anders sein – mit dem Verweis auf Martin Luther: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“