Hoffnungswort 2027 gesucht: Einsendungen ab sofort möglich
Bevölkerung will deutlich mehr Klimaschutz/ Hoffnungswort soll das zeigen und Gegengewicht zur Krisensprache setzen
Berlin/Hamburg/Wittenberg/Köln
Das bundesweite Ökumenische Netzwerk „Eine Erde“ lobt ein jährliches „Hoffnungswort“ aus. Zum Auftakt der neuen Aktion sind ab heute alle Menschen in Deutschland aufgerufen, Wörter einzureichen, die Mut machen, Zuversicht stiften und zeigen, dass ein
gerechter sozial-ökologischer Wandel gelingen kann. Einsendeschluss für das „Hoffnungswort 2027“ ist der 31. Mai 2027. Der Startschuss der Aktion fällt bewusst auf den Beginn der ökumenischen Schöpfungszeit am 1. September (bis 4.10.).
Hier können die Worte eingereicht werden.
Wissenschaft: Bereitschaft zum Klimaschutz höher als angenommen/Gegengewicht zur Krisensprache gesucht
Ob Klimakrise, Kriege oder wirtschaftliche Unsicherheit: Die öffentliche Debatte wird von Krisenbegriffen dominiert. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese Wahrnehmung häufig nicht mit der tatsächlichen Faktenlage übereinstimmt. Der schwedische Statistiker und Mediziner Hans Rosling wies nach, dass ein großer Teil der Menschen in Europa den Zustand der Welt und die Bereitschaft zum Klimaschutz deutlich zu negativ einschätzt. Rosling erklärte diese systematische Fehleinschätzung mit tief verwurzelten menschlichen Wahrnehmungsmustern, darunter dem sogenannten „Negativitäts-Instinkt“ (negativity bias): der Tendenz, negative Nachrichten stärker zu gewichten und Fortschritte in Gesundheit, Bildung und Lebensstandard dabei zu übersehen.(1)
Auch in Deutschland zeigt sich dieses Muster. Eine aktuelle Studie der Leuphana Universität Lüneburg und der Ruhr-Universität Bochum(2) ergab, dass die deutsche Politik die Zustimmung der Bevölkerung zu wirksamen Klimaschutzmaßnahmen erheblich unterschätzt. Besonders groß war die Fehleinschätzung bei Steuern und Gesetzen zum Klimaschutz sowie bei der Bereitschaft der Bevölkerung, ein Prozent des eigenen Einkommens für den Klimaschutz beizutragen – hier lag die tatsächliche Zustimmung um ein Vielfaches höher, als die Befragten aus der Politik vermuteten. Bemerkenswert ist zudem, dass diese sogenannte „pluralistische Ignoranz“ in der Politik noch ausgeprägter war als in der Bevölkerung selbst, die ebenfalls – wenn auch in geringerem Ausmaß – die Unterstützung für Klimaschutz unterschätzt. Die Forschenden werten dies als bedeutsame Hürde für wirksame Klimapolitik: Wer glaubt, für strengere Maßnahmen keine Mehrheit zu haben, wird zögern, sie überhaupt vorzuschlagen. Zusätzlich entsteht aus einem negativen Weltbild die Gefahr einer „erlernten Hilflosigkeit“, also der (falschen) Überzeugung von Machtlosigkeit und Vergeblichkeit.
Sprache prägt, wie wir die Welt sehen
Für Eine Erde Grund genug, dem mit einer Sprache der Hoffnung und der Ermutigung entgegenzutreten. Sprache prägt, wie wir die Welt sehen – und wie wir handeln. Ein jährlich gewähltes Hoffnungswort soll daran erinnern, dass Wandel möglich ist. Besonders Kirchen sind Orte der Zuversicht und der christliche Glauben motiviert alle Gläubigen – wie alle Religionen weltweit – zum sorgsamen Umgang und Schutz der Natur und der (Mit)schöpfung.
So funktioniert die Aktion
Jede und jeder Interessierte kann sich beteiligen und ein Wort mit kurzer Begründung einreichen. Aus allen Einsendungen wählt eine Jury, in der Sprach- und Transformationsexpert:innen sowie Vertreter:innen der Mitgliedsorganisationen von „Eine Erde“ mitwirken, das „Hoffnungswort 2027“ aus. Die Jury deckt 7 Perspektiven ab (Verbände, Transformation, Sprachwissenschaft, Literatur/Kunst, Ingetrative Perspektive, Kirche und Beirat Eine Erde). Angefragt dafür sind oder werden: Dagmar Pruin/BfdW, Maja Göpel, Marc Pendzich/ Sprache macht Zukunft, Cornelia Funke, Kübra Gümüşay/Autorin von "Sprache und Sein", Bischof Wilmer/DBK, Stefan Weiland/Beirat Eine Erde.
Die feierliche Verkündung und Auszeichnung ist für den 4. Oktober 2027 vorgesehen – zum Abschluss der ökumenischen Schöpfungszeit und Gedenktag des Heiligen Franziskus (Franz von Assisi), dessen Name für eine hoffnungsvolle Verbindung von Glauben und Schöpfungsverantwortung steht. Die einreichende Person des ausgewählten Wortes wird im Rahmen einer Veranstaltung
ausgezeichnet und erhält einen Preis. Bekannte Botschafter:innen aus Theologie, Sprachwissenschaft und kirchlicher Leitungsverantwortung werden die Aktion begleiten und dem Hoffnungswort ein Gesicht geben. Das gekürte Wort wird im Anschluss als Jahresmotto die Arbeit von „Eine Erde“ begleiten und findet sich als zentrales Leitwort im Kalender „Schöpfungszeit“ wieder.
Zitat
„Wir hören täglich, wie schlecht es um die Welt steht. Dabei zeigen die Fakten: Vieles gelingt bereits, und noch mehr ist möglich, wenn wir es gemeinsam anpacken. Mit dem Hoffnungswort wollen wir dieser Zuversicht eine Stimme geben – und deutlich machen, dass insbesondere auch die Kirchen und die deutsche Ökumene ein Ort der Hoffnung sind“, erklärt Astrid Hake, Leiterin des Projekts Hoffnungswort/Ökumenisches Netzwerk Eine Erde.
Mitmachen
Vorschläge für das „Hoffnungswort 2027“ können bis zum 31. Mai 2027 eingereicht werden über das folgende Formular: Hoffnungswort 2027 – Formular ausfüllen. Weitere Informationen zur Aktion sowie zur Jury finden sich auf unser Unterseite zur Aktion.
Schöpfungszeit und Schöpfungszeit-Kalender
Ziel der Schöpfungszeit ist es, weltweit zum Schutz und der Bewahrung unserer Mitschöpfung und Mitgeschöpfe aufzurufen. Zu diesem Zweck gibt Eine Erde seit sechs Jahren einen begleitenden Wandkalender heraus. Der Kalender enthält neben großformatigen Bildern viele Beispiele, hilfreiche Anregungen und wissenschaftliche Impulse. So zum Beispiel die neurobiologische Erkenntnis, dass Großzügigkeit genetisch in uns angelegt ist und uns glücklich macht. BotschafterInnen-Programm: Schöpfungszeit wie Ostern oder Weihnachten!? „Unsere Vision ist es, dass viele viele Menschen in allen Ecken und Enden Deutschlands von der Schöpfungszeit erfahren und sie feiern“, betont Latussek im Namen von EINE ERDE „Was, wenn wir künftig neben Ostern oder Weihnachten in jedem Jahr ganz groß die Schöpfungszeit feiern würden? Wenn Eltern, Kinder, Groß und Klein, Gemeinden in der Stadt und auf dem Land auf den September hinfiebern, um die Schöpfung zu feiern und zu bewahren?“ Um dieses Ziel zu erreichen, wird die Schöpfungszeit in diesem Jahr erstmals von Botschafterinnen und Botschaftern unterstützt: Prominente und glaubwürdige Stimmen für Glauben, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Wirkung. Engagierte Persönlichkeiten aus Kirche, Kultur, Politik und Gesellschaft machen die Botschaft von Schöpfungsverantwortung, Hoffnung und Zusammenhalt in ihrem Wirkungskreis sichtbar.
Alle Botschafterinnen und Botschafter 2026 im Überblick:
• Prof. Dr. Wolfgang Lucht | Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung
• Bischof Werner Philipp | Evangelisch-methodistische Kirche
• Kerstin Werner und Dr. Franz-Josef Klausdeinken | Christians for Future
• Präses Dr. Thorsten Latzel | Evangelische Kirche im Rheinland
• Dr. Thomas Kröck | A Rocha Freundeskreis, Gnadauer Arbeitskreis
Schöpfung + Verantwortung
• Florian Feix | Versicherer im Raum der Kirchen
Grußwort Präses Dr. Thorsten Latzel | Evangelische Kirche im Rheinland für die Pressekonferenz von „Eine Erde – Das ökumenische Netzwerk“ am 31.08.2026
„Die Schöpfungszeit lädt dazu ein, dass wir uns neu als Teil von Gottes Schöpfung erfahren - und darüber nachdenken, was wir zu ihrer Bewahrung tun können. Die Dürre dieses Sommers mit den vielen Hitze-Toten, den verheerenden Bränden, den vertrockneten Feldern und Flüssen macht deutlich, wie dringlich das Thema ist. Umweltzerstörung hat massive Folgen, gerade für Menschen, die es ohnehin nicht so dicke haben. Gottes Schöpfung ist nicht unser Privatbesitz. Wir leben aus der Schöpfung und haben eine Verantwortung für sie. Dazu gehören ökologische Aspekte wie Klima- und Artenschutz. Aber eben auch soziale Fragen wie eine gerechte Verteilung von Lebensmitteln, die Sicherung unserer Lebensgrundlagen und des Friedens. Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung gehören unlöslich zusammen.“
1 Rosling, H., Rosling Rönnlund, A. & Rosling, O. (2023). Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist (Neuausg.). Ullstein.
