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Klimapolitik:Über 130 christliche Organisationen fordern von der EU Steuer auf fossile Gewinne und Führungsrolle bei globaler Energiewende

Eine Erde unterstützt die Kampagne „Europe be Faithful for Our Common Home“
Kampagne

In Zeiten tiefgreifender globaler Unsicherheit und Konflikte, die die wachsenden Risiken der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen schmerzhaft vor Augen führen, richtet ein Bündnis aus über 130 christlichen Organisationen - u.a. Eine Erde - aus 20 EU-Staaten zum ersten Mal einen dringenden Appell an die Institutionen der Europäischen Union: „Europa, bleibe unserem gemeinsamen Haus treu.“

Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem Laudato Si’ Movement, Caritas Europa, CIDSE, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), KOO (Österreich), die Zentraleuropäische Provinz der Jesuiten, Christians for Future (Deutschland), Christliche Initiative Klimagerechtigkeit (Deutschland), Eine Erde - Das ökumenische Netzwerk (Deutschland), die Oberzeller Franziskanerinnen (Deutschland), das European Christian Environmental Network (ECEN) sowie die Dachverbände UISG und USG, die zusammen mehr als 600.000 Mitglieder religiöser Orden vertreten.

Der Appell fordert die EU auf, an ihren Gründungswerten festzuhalten und eine gerechte Energiewende entschieden voranzutreiben. Die Initiative kommt zu einem politisch wichtigen Zeitpunkt: Im zweiten Halbjahr 2026 übernimmt Irland die EU-Ratspräsidentschaft, kurz vor der nächsten internationalen Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energien, die Irland und Tuvalu Anfang 2027 gemeinsam ausrichten werden.

Europa steht vor einer klaren Wahl: den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen anzuführen oder sich auf die Seite der umweltschädlichsten Unternehmen zu stellen, die für die Hälfte der weltweiten Kohlenstoffemissionen verantwortlich sind“, heißt es in dem Dokument. Diese Forderung deckt sich mit der Stimmung in der Bevölkerung: Das jüngste Eurobarometer zeigt, dass eine überwältigende Mehrheit der europäischen Bürgerinnen und Bürger weiterhin entschlossenen Klimaschutz unterstützt. Dies ist auch eine Preisfrage: Durch den Iran-Krieg machen Öl- und Gaskonzerne riesige Zusatzgewinne, während Bürgerinnen und Bürger mehr zahlen. Gleichzeitig konnten Erneuerbare viele Milliarden Euro weiterer fossiler Importe pro Monat ersetzen.

Die Unterzeichnenden zeigen sich jedoch zutiefst besorgt darüber, dass die EU derzeit ihre eigene Gesetzgebung aufweicht und ihrer Rolle als globaler Vorreiter im Klimaschutz den Rücken kehrt. Klimaverpflichtungen werden verzögert, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen erhöht, Sorgfaltspflichten geschwächt und soziale sowie ökologische Schutzmaßnahmen abgebaut.

„Diese Kampagne kommt zu einem kritischen Moment. Die zweite globale Energiekrise in weniger als fünf Jahren und schwere Konflikte führen uns unsere gemeinsame Abhängigkeit und Verwundbarkeit vor Augen. Europa hat die einzigartige Chance und moralische Pflicht, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu beschleunigen und auf saubere Energien umzustellen – auch durch eine dauerhafte Steuer auf die riesigen Gewinne der fossilen Energieträger“, erklärt Dr. Lorna Gold, Geschäftsführerin des Laudato Si’ Movements.

„Wenn Menschen aufgrund der Klimakrise leiden oder sogar ihr Leben verlieren, wird ihre Würde missachtet. Ich sage es klipp und klar: Wer das verhindern will, muss Gesetze machen, die ambitionierte Klimaziele umsetzen. Jetzt! Nur so wird politische Verantwortung für die Schöpfung wahrgenommen. Die Kampagne fordert genau das ein. Deshalb unterstützen wir sie als ZdK. Schluss mit dem Aufschub bei der Klimapolitik!“ - Dr. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

„Alle politischen Entscheidungsträger sind sich der Fakten zur Klimakrise bewusst. Die Maßnahmen, die wir fordern, sind nichts anderes als logische Konsequenzen. Alles andere wäre unverantwortlich“, so Anja Appel, Geschäftsführerin der KOO.

“Während die Kosten fossile Energie gerade arme Bürger*innen belasten, beobachten wir die Verlangsamung der nötigen Transformation durch zunehmende Angriffe auf etablierte Gesetze. Das Statement so vieler christlicher Organisationen setzt ein klares Zeichen für Menschen und gegen die Interessen veralteter Industrie.” - Georg Sauerwein, Christliche Initiative Klimagerechtigkeit

Als Antwort auf die Not der am stärksten gefährdeten Menschen und die sich verschärfende ökologische Krise – und im Einklang mit den Forderungen von Kirchenvertretern des Globalen Südens nach einer gerechten Energiewende – fordern die Unterzeichnenden vier sofortige Maßnahmen:

  • Ausstieg aus fossilen Brennstoffen: Festlegung einer klaren Ausstiegsstrategie für Kohle bis 2030, Gas bis 2035 und Öl bis 2040. Dies muss mit einem sofortigen Stopp aller neuen fossilen Explorationen und dem Ende von Genehmigungen für neue fossile Infrastrukturen einhergehen.
  • Gewinnsteuer und Subventionsstopp: Einführung einer dauerhaften Steuer auf die massiven Gewinne fossiler Unternehmen. Diese Mittel müssen direkt in die Finanzierung der Energiewende fließen und einkommensschwache Haushalte entlasten.
  • Investitionen in saubere Energie und Suffizienz: Massiver Ausbau von Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektrifizierung bei gleichzeitiger Förderung von Energie-Suffizienz (Genügsamkeit) und einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft.
  • Klimafinanzierung und soziale Gerechtigkeit im EU-Budget: Der nächste siebenjährige EU-Finanzrahmen (MFF), der bis Ende 2027 beschlossen werden muss, muss jene Menschen priorisieren, die ihre Energierechnungen nicht mehr bezahlen können, statt die Interessen von Konzernen zu bedienen, die Milliardenprofite anhäufen.