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Schöpfungszeit:Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung

Weihbischof Lohmann: „Frieden bedeutet, im Einklang mit Gottes gesamter Schöpfung zu leben“
Regenbogen

Am 1. September begeht die Kirche jedes Jahr den Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung, an dem in christlichen Kirchen liturgisch die Schöpfungszeit (1. September bis 4. Oktober) beginnt. Dazu erklärt Weihbischof Rolf Lohmann (Münster), der in der Deutschen Bischofskonferenz für Umwelt- und Klimafragen zuständig und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen ist:

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern“ (Jes 2,4). Diesen Ausdruck der Hoffnung hat Papst Leo XIV. als Motto des diesjährigen Weltgebetstags für die Bewahrung der Schöpfung ausgewählt. Er ruft damit zum dringend nötigen Frieden weltweit auf. Jeder Tote bedeutet das abrupte Ende eines Lebens, den Untergang einer Welt und einen nicht wiedergutzumachenden Verlust für die Angehörigen. Zugleich rückt der Heilige Vater mit diesem Motto einen wichtigen, aber leicht zu übersehenden Aspekt des Krieges in den Fokus.

Denn im Krieg werden Städte, Dörfer und Infrastruktur verwüstet. Artilleriefeuer, Brände und Schwermetallablagerungen zerstören Wälder, kontaminieren Böden und vergiften das Grundwasser. Minen machen angestammte Lebensräume zu einer tödlichen Gefahr für Menschen und Tiere. Hinzu kommt der Ausstoß von Treibhausgasen durch die Kriegsführung – allein der Kraftstoffverbrauch von Kampfjets und Panzern ist immens. Das sind die unmittelbaren Folgen. Die Aufräum- und Aufbauarbeiten sowie die Regeneration von Ökosystemen dauern oft Jahre und Jahrzehnte.

Einen weiteren Aspekt hat Papst Leo XIV. jüngst hervorgehoben. In seiner Enzyklika Magnifica humanitas fordert er die ‚Entwaffnung‘ von Künstlicher Intelligenz und stellt klar: ‚Entwaffnen bedeutet nicht, auf die Technologie zu verzichten, sondern zu verhindern, dass sie den Menschen beherrscht.‘ (MH 110) 

Dazu gehört, sich die Konsequenzen des Gebrauchs von Künstlicher Intelligenz zu vergegenwärtigen – auch die ökologischen: ‚Aktuelle KI-Systeme erfordern große Mengen an Energie und Wasser, haben erhebliche Auswirkungen auf den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß und verbrauchen Ressourcen in großem Umfang. Mit zunehmender Komplexität, insbesondere bei großen Sprachmodellen, wächst auch der Bedarf an Rechenleistung und Speicherkapazität. Das bedeutet wiederum die Notwendigkeit einer Vielzahl von Maschinen, Kabeln, Datenverarbeitungszentren und energieintensiver Infrastruktur. Daher ist es unerlässlich, nachhaltigere technologische Lösungen zu entwickeln, um die Umweltauswirkungen zu verringern und unser gemeinsames Haus zu schützen.‘(MH 101)

Blicken wir auf die Hitze mit den niedrigen Pegelständen der Flüsse und den verdorrten Äckern sowie auf die brennenden Wälder der letzten Monate, dann wird die Problematik des Ressourcenverbrauchs augenscheinlich. Angesichts der ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen des Klimawandels müssen wir Konsequenzen für unser Handeln ziehen – auch beim Umgang mit KI. Der große Bedarf an Wasser sorgt heute bereits in vielen Regionen der Welt für Konflikte. Der Klimawandel ist dafür verantwortlich, dass Extremwetterperioden wie in diesem Sommer in den nächsten Jahren häufiger und intensiver auftreten werden. Der Umwelt- und Klimaschutz sowie die Anpassung an den Klimawandel erlauben daher keinen Aufschub. Beides gehört oben auf die politische Tagesordnung.

Frieden betrifft nicht nur das menschliche Miteinander, sondern schließt auch das Verhältnis zu unserer Umwelt ein. Frieden bedeutet, im Einklang mit Gottes gesamter Schöpfung zu leben. Papst Leo XIV. appelliert in seiner Botschaft zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung: ‚Liebe Brüder und Schwestern, der vor uns liegende Weg ist klar, auch wenn er nicht leicht ist. Wir sind dazu aufgerufen, unsere Herzen erneuern zu lassen, damit wir den Frieden suchen und für die Schöpfung sorgen können.‘ Im biblischen Wort Jesajas kommt die Vision eines umfänglichen Friedens zum Ausdruck. Diese Hoffnung ist Kern der christlichen Botschaft und sollte Triebkraft unseres Handelns sein.“