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Paradising
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Ein theologisch-ethisches Konzept darüber, wie wir Paradies angesichts der multiplen Krisen im Anthropozän neu verstehen und gestalten wollen. Dr. Sarah Köhler und Dr. Constantin Gröhn erarbeiteten es zusammen im Ökumenischen Prozess - Umkehr zum Leben; einem der Vorgängerprojekte von Eine Erde.

Die Idee: Was ist Paradising?

Paradising entstand 2021 bei der EKD-Tagung „Zukunft angesichts der ökologischen Krise". Marianne Spieweg (Diakonie Deutschland) prägte das Wort, Sarah Köhler und Constantin Gröhn entwickelten daraus ein theologisch-ethisches Konzept.

Sprache verändert Realität. Mit Paradising haben wir ein Wort kreiert, das zunächst Fragen aufwirft: Welche Paradiesvorstellungen prägen unsere Gesellschaft? Was etikettieren wir mit dem Begriff – und was verstehen wir eigentlich darunter? Die Idee war, eine Debatte darüber anzustoßen, wie wir Paradies angesichts der multiplen Krisen im Anthropozän neu verstehen und gestalten wollen.

Paradising knüpft dabei an die Sehnsucht an, die im Paradiesbegriff steckt – und nimmt sie ernst als Ergänzung zu reinen Verantwortungsdiskursen. Wer sich nach einer anderen Welt sehnt, muss handeln; wer Verantwortung übernimmt, braucht eine Vorstellung davon, wofür.

Das Wort ist ein Neologismus: Paradise + doing/being = Paradising. Das Paradies ist so verstanden kein statischer Idealzustand mehr, sondern wird als Aufgabe, als aktiver Prozess beschrieben, der Schaffen und Ruhen vereint. Und wie das Reich Gottes ist es schon gegenwärtig und zugleich Verheißung: wahrnehmbar im Hier und Jetzt, aber nicht vollständig herstellbar.

Aus der Arbeit an Paradising haben sich vier Themenbereiche ergeben, die einander bedingen:

1. Theologie schärfen!

Paradising liest biblische Paradieserzählungen neu und fordert so auch theologisch bewährte Ansätze heraus. Die Geschichte vom Garten Eden nicht als abgeschlossene Ursprungsgeschichte zu verstehen, sondern als Orientierungserzählung für das Handeln im Anthropozän, ist nur ein Ansatz. Was heißt „Bebauen und Bewahren“ angesichts planetarer Grenzen? Wie fügt sich die Reich-Gottes-Vorstellung darin ein, und wie wirkt biblische Auslegung als Grundlage für gemeinschaftsstiftendes Agieren?

 

2. Normalität anfragen!

Vom Saunaparadies bis zur Yacht vor dem weißen Strand – unsere Kultur hat aus dem Paradies für Viele eines für Wenige gemacht. Solche Normalitätsvorstellungen von Besitz und Luxus sind ein Grund dafür, dass wir trotz besseren Wissens in einer Hochemissionsgesellschaft leben. Das könnte jedoch auch ganz anders aussehen.

 

3. Normen begründen!

Der Klimawandel als wissenschaftliches Faktum enthält noch keine Handlungsanweisungen. Diese müssen wir gemeinsam erarbeiten. Normative Ansätze entstehen dabei auch durch die Auseinandersetzung mit den katastrophalen Prognosen und im Zusammenhang mit bestimmten Ideen und Konzepten von Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde und deren Verständnis. Sie brauchen einen gesellschaftlichen Verhandlungsprozess.  

 

4. Sprache verändern!

Theologische Ansätze brauchen Komplexität und Tiefe. Doch wenn Theologie inklusiv sein und Wirkung erzielen will, muss sie übersetzt werden. Wir wollen uns unsere Vorstellung vom Paradies zurückerobern und die Anfänge neu als Beziehungsarbeit zwischen Menschen, zwischen Mensch und Mitwelt und Mensch und Gott verstehen und erzählen. Unser einziges Paradies ist die Erde, unser Raum für Gottesbeziehung und alle anderen Verbindungen. 

Paradising Titel

Paradiese schützen - Bewahren

Konkrete Räume verteidigen. „Hier machen wir nicht mit." Grenzen ziehen gegen Zerstörung, auch konfliktbereit sein. Bewahrung braucht auch Entschlossenheit. 

Paradiese sind schon da – Erkennen

Wahrnehmen, was bereits lebendig und schön ist. Den „grünsten Ort“ in der eigenen Umgebung entdecken. Die Kunst des Staunens üben – gerade in einer Welt voller Krisenmeldungen. 

 

Paradiese schaffen - Gestalten

Aktiv Lebensräume neu gestalten und erschaffen. Brachflächen begrünen, Gemeinschaften aufbauen, kreativ werden. Als Mit-Schöpfer*innen tätig sein, wo Paradiese fehlen oder zerstört wurden.

 

Paradiese entstehen – Geschehen lassen

Die Kunst des Nicht-Eingreifens – wie sie auch im biblischen Sabbatgedanken angelegt ist. Vertrauen auch in die Selbstheilungskräfte der Natur. Verwüsteten Landschaften Zeit zur Regeneration geben

Anwendungsfelder

Religionspädagogik 

Workshops, Unterrichtsmaterialien:

Paradising ermöglicht interreligiösen Dialog über Paradiesvorstellungen und Lernprozesse, die neue, grenzüberschreitende Perspektiven auf die Gestaltung unserer gemeinsamen Welt eröffnen. Paradising wird in Workshops und Unterrichtsmaterialien praktisch: Von der Suche nach dem „grünsten Ort" über die „müllfreie Zone" bis zu kreativen Übungen des Staunens und Gestaltens. Diese Bildungsformate verbinden theologische Reflexion mit konkretem Handeln.

Arbeit & Beruf 

Wirtschaftsethik, paradiesische Arbeitsvorstellungen:

Biblische Paradieserzählungen prägen unsere Arbeitsvorstellungen – zwischen postparadiesischem „Schweiß deines Angesichts" und dem paradiesischen „Bebauen und Bewahren". Paradising entwickelt wirtschaftsethische Perspektiven auf sinnhafte Arbeit jenseits von Erschöpfung und Ausbeutung.

Ethik 

Enthält der Paradiesbericht eine größere ethische Dimension, die relevant ist für die heutige Umweltdebatte und gesellschaftlich-strukturellen Wandel? Ja – nicht nur indem wir neu darüber nachdenken, was der Begriff „Schöpfung“ meint, sondern auch in der Betrachtung, welche Konzepte von Freiheit und Gerechtigkeit die biblischen Texte enthalten, die mit heutigen juristischen Ansätzen im Rahmen der Klimaklagen korrespondieren.

 

Materialien & Downloads

Dr. Sarah Köhler

Referentin für Gesellschaftspolitik und Demokratieförderung

Bischöfliches Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Jahnstraße 30
70597 Stuttgart
Telefon:071197911211

Dr. Constantin Gröhn

Wissenschaftlicher Referent für Theologie und Wirtschaftsethik

Kirchlicher Dienst in der Arbeitwelt (KDA) Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland

Gaußstraße 75
22765 Hamburg
Telefon:015118687130